AKU: Wie haben die Forstfachkräfte darauf reagiert?
Luigi: Anfangs haben manche die Nase gerümpft, vor allem jene, die schon seit Jahren im Wald arbeiteten und meinten, ihre Erfahrung sei mehr als ausreichend. In sehr vielen Fällen hat der Besuch der Kurse sie dann aber umdenken lassen. Sich weiterzubilden bedeutet, das eigene Wissen zu erweitern, sich selbst zu erproben und sich auf Augenhöhe mit anderen Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Eine Erfahrung, die – wenn sie gut gemacht ist – nur selten enttäuscht. Und bei den Jüngeren überwiegt heute der Wunsch, über das Pflichtprogramm hinauszugehen: sich weiter zu vertiefen, zu spezialisieren und schließlich selbst Ausbilder zu werden.
AKU: Gibt es eine Geschichte, die Sie besonders berührt hat?
Luigi: Ja, die eines jungen Mannes, der die Schule sehr früh verlassen hatte, um im Wald zu arbeiten. Er war überzeugt, dass Lernen einfach nichts für ihn sei. Dann schrieb er sich fast aus Pflichtgefühl für seinen ersten Kurs ein. Und dort änderte sich alles. Er entdeckte, dass es ihm Freude machte zu verstehen, Dinge zu vertiefen, auch komplexe Zusammenhänge: Zahlen, Kräfte, Mathematik und Physik. Er absolvierte einen Kurs nach dem anderen, bis er schließlich selbst Ausbilder wurde. Heute unterrichtet er jüngere Teilnehmer. Als er seine letzte Bescheinigung erhielt, organisierte er ein Fest mit seinen Eltern. Das musste gefeiert werden! Für ihn, aber auch für sie, war dieser Meilenstein mehr wert als jedes Diplom oder jeder Studienabschluss.
AKU: Was braucht es jetzt mit Blick auf die Zukunft?
Luigi: Es braucht einen tiefgreifenden kulturellen Wandel, den Verwaltung und Politik begleiten und fördern müssen. Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, die ihre Arbeit sicher und kompetent ausführen und sich ihrer Rolle ebenso bewusst sind wie der damit verbundenen Risiken. Gleichzeitig müssen wir als Gesellschaft die Stereotype überwinden, die noch immer mit der Arbeit im Wald verbunden sind, und Forstfachkräfte als das anerkennen, was sie sind: „Waldprofis“ im Dienst des Territoriums. Der Ausbildung den ihr gebührenden Wert zu geben, wird uns auch dabei enorm helfen. Wir brauchen das dringend.