Text und Bilder von Alessandro Franza
Es gibt einen Moment, wenn man hier im Nationalpark Abruzzen unterwegs ist, in dem der Wald seine Stimme verändert. Es ist nichts Spektakuläres: Die Stille wird dichter, das Rascheln klingt anders, am Boden zeichnet sich eine kaum erkennbare Spur ab. Genau dann beginne ich oft, wirklich von meiner Arbeit zu erzählen.
Hier als Bergführer zu arbeiten bedeutet nicht nur, Menschen auf einem Weg zu begleiten. Es bedeutet, ihnen dabei zu helfen, eine lebendige, bewohnte und komplexe Landschaft zu lesen. Ein Gebiet, in dem der Mensch nicht allein ist.
In letzter Zeit wird viel über Wölfe und Bären gesprochen, häufig in aufgeheiztem Ton und allzu oft stark vereinfacht. Ich begegne ihnen auf andere Weise: durch ihre Spuren, die Zeichen ihrer Anwesenheit oder bei seltenen und kostbaren Sichtungen – aus der Ferne oder aus der Nähe, aber immer emotional und intensiv. Erlebnisse, die den Menschen, die das Glück haben, sie gemeinsam mit mir zu erfahren, lange in Erinnerung bleiben.
So wie damals, als wir mit einer kleinen Gruppe ein Tal hinaufstiegen und ein Wolf einige Dutzend Meter vor uns den Weg überquerte. Er blieb einen Augenblick stehen, gerade lange genug, um uns anzusehen, und verschwand dann im Wald. Keine hastige Flucht, keine Bedrohung. Nur Distanz, Respekt und das Bewusstsein, Gäste zu sein.
An einem anderen Abend beobachteten wir etwas oberhalb eines Dorfes eine Bärin mit ihren Jungen, die sich langsam durch die Büsche bewegte. Wir waren weit genug entfernt und in Sicherheit, aber nahe genug, um zu verstehen, dass diese Szene für die Menschen, die hier leben, nichts Außergewöhnliches war.
Genau das überrascht viele am meisten: die reale Möglichkeit, Wildtiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten, ohne dafür in vollkommen abgelegene oder unberührte Gebiete vordringen zu müssen. Hier sind Natur und menschliche Präsenz seit jeher eng miteinander verflochten.
Dutzende von Begegnungen haben ihren Platz in meinen Erinnerungen gefunden. Ob mit Bären oder Wölfen, Adlern, Schlangen oder Gämsen – das Gefühl ist immer dasselbe.
Auch deshalb habe ich mich entschieden, hierherzuziehen. Ich komme aus Kampanien, wo ich begonnen habe, in den Bergen zu arbeiten. Doch hier habe ich etwas anderes gefunden: eine Landschaft, in der die dauerhafte Anwesenheit großer Wildtiere keine Ausnahme ist, sondern ein wesentlicher Bestandteil.
Diese Präsenz ist nicht nur von großem ökologischem Wert, sondern auch einer der Gründe, weshalb ich heute diesen Beruf ausüben kann. Viele Menschen, die ich begleite, kommen genau deswegen hierher – mit der Hoffnung, die nie garantiert, aber durchaus real ist, diese Tiere in freier Wildbahn beobachten zu können.