Zum Inhalt springen

Warenkorb

Dein Warenkorb ist leer

Weiter einkaufen

Luigi Torreggiani spricht über den Wert der forstwirtschaftlichen Ausbildung

Seit jeher geht AKU an der Seite jener, die in den Bergen arbeiten. An der Seite jener, die sie Tag für Tag als Berufung, als Arbeit und als Fürsorge für das Gebiet leben. Luigi Torreggiani ist Journalist und Forstwissenschaftler und erzählt seit Jahren in Reportagen, Podcasts, Dokumentarfilmen und Büchern von der Welt der italienischen Wälder. Wir haben ihn gefragt, was es heute bedeutet, ein gut ausgebildeter Forstfacharbeiter zu werden.

AKU: Forstliche Ausbildung: Wovon sprechen wir eigentlich wirklich?

Luigi: In der kollektiven Vorstellung wird Ausbildung im Bereich der Waldarbeit oft ausschließlich mit Sicherheit verbunden. Und das ist natürlich ein zentrales Thema, denn Forstarbeit ist von Natur aus gefährlich. Doch es geht um weit mehr. In den Kursen lernt man, Sicherheit und Produktivität miteinander zu verbinden; außerdem werden Kenntnisse in Waldökologie und Waldbau vermittelt. Vor allem aber fördern sie bei den Forstfachkräften ein neues Bewusstsein: das Bewusstsein dafür, bei der Pflege und Bewirtschaftung des Territoriums eine sensible und wertvolle Rolle zu spielen. Ausbildung darf nicht als bürokratische Formalität verstanden werden, sondern als unverzichtbares Instrument, um die Kompetenzen des Einzelnen aufzuwerten und die Entwicklung des gesamten Sektors zu fördern. Sie ist ein echter strategischer Faktor, der Wettbewerbsfähigkeit, Entwicklung und Nachhaltigkeit miteinander verbindet.

AKU: Wie ist der Stand der forstlichen Ausbildung in unserem Land?

Luigi: In Italien war die berufliche Ausbildung im Forstbereich lange Zeit von einer starken Uneinheitlichkeit geprägt, da es von Region zu Region unterschiedliche Systeme und Ausbildungswege gab. Ein entscheidender Schritt erfolgte 2018 mit dem „Einheitstext zu Wäldern und forstwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten“ sowie mit der Durchführungsverordnung von 2020, die nationale Mindestkriterien eingeführt hat, um die Ausbildungswege im ganzen Land stärker zu vereinheitlichen. In diesem Prozess spielte auch das Projekt For.Italy eine wichtige Rolle: Es leitete die Standardisierung der Berufsbilder des Forstwirkers und des forstlichen Ausbilders ein und bildete 90 Ausbilder aus, die heute in verschiedenen Teilen des Landes tätig sind. Die meisten Regionen haben diesen Ansatz inzwischen mit entsprechenden Vorschriften übernommen, und in vielen von ihnen ist es für die Arbeit im Wald erforderlich, zumindest einen Kurs zu besuchen und eine Prüfung zu bestehen.

AKU: Wie haben die Forstfachkräfte darauf reagiert?

Luigi: Anfangs haben manche die Nase gerümpft, vor allem jene, die schon seit Jahren im Wald arbeiteten und meinten, ihre Erfahrung sei mehr als ausreichend. In sehr vielen Fällen hat der Besuch der Kurse sie dann aber umdenken lassen. Sich weiterzubilden bedeutet, das eigene Wissen zu erweitern, sich selbst zu erproben und sich auf Augenhöhe mit anderen Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Eine Erfahrung, die – wenn sie gut gemacht ist – nur selten enttäuscht. Und bei den Jüngeren überwiegt heute der Wunsch, über das Pflichtprogramm hinauszugehen: sich weiter zu vertiefen, zu spezialisieren und schließlich selbst Ausbilder zu werden.

AKU: Gibt es eine Geschichte, die Sie besonders berührt hat?

Luigi: Ja, die eines jungen Mannes, der die Schule sehr früh verlassen hatte, um im Wald zu arbeiten. Er war überzeugt, dass Lernen einfach nichts für ihn sei. Dann schrieb er sich fast aus Pflichtgefühl für seinen ersten Kurs ein. Und dort änderte sich alles. Er entdeckte, dass es ihm Freude machte zu verstehen, Dinge zu vertiefen, auch komplexe Zusammenhänge: Zahlen, Kräfte, Mathematik und Physik. Er absolvierte einen Kurs nach dem anderen, bis er schließlich selbst Ausbilder wurde. Heute unterrichtet er jüngere Teilnehmer. Als er seine letzte Bescheinigung erhielt, organisierte er ein Fest mit seinen Eltern. Das musste gefeiert werden! Für ihn, aber auch für sie, war dieser Meilenstein mehr wert als jedes Diplom oder jeder Studienabschluss.

AKU: Was braucht es jetzt mit Blick auf die Zukunft?

Luigi: Es braucht einen tiefgreifenden kulturellen Wandel, den Verwaltung und Politik begleiten und fördern müssen. Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, die ihre Arbeit sicher und kompetent ausführen und sich ihrer Rolle ebenso bewusst sind wie der damit verbundenen Risiken. Gleichzeitig müssen wir als Gesellschaft die Stereotype überwinden, die noch immer mit der Arbeit im Wald verbunden sind, und Forstfachkräfte als das anerkennen, was sie sind: „Waldprofis“ im Dienst des Territoriums. Der Ausbildung den ihr gebührenden Wert zu geben, wird uns auch dabei enorm helfen. Wir brauchen das dringend.

Wer ist Luigi Torreggiani

Journalist und Forstwissenschaftler. Er arbeitet mit „Sherwood – Foreste ed Alberi Oggi“, mit „L'Altra Montagna“, der Online-Zeitung für die Hochalpen, und mit „Il Tascabile“, der Zeitschrift von Treccani, zusammen. Für Compagnia delle Foreste kümmert er sich um die Kommunikation von Projekten, die sich mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung und dem Schutz der Biodiversität befassen.