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IN NORWEGEN AUF DER SUCHE NACH DEM MOSCHUSOCHSEN

Fotos und Text von Jonathan Giovannini

Die Idee zu dieser Reise entstand aus einem bestimmten Tier: dem Moschusochsen. Eine Art, die aus einer anderen Epoche zu stammen scheint, fast unverändert im Laufe der Zeit, und die in Europa nur hier, im Dovrefjell, anzutreffen ist.

Das Ziel war einfach: ihn in seiner Umgebung zu fotografieren, ohne Zwang, die Zeiten und Bedingungen akzeptierend. Und genau das macht das Dovrefjell anders als viele andere Orte: ein offener und wesentlicher Raum, ohne Schutz, wo alles exponiert ist. Tundra, Schnee und Wind. Nichts anderes.

Hier zu gehen bedeutet, sich sofort anzupassen. Der Boden wechselt ständig zwischen Eis und Schnee, während sich das Wetter schnell ändern kann. Es ist nicht so sehr die Entfernung, die auf die Probe stellt, sondern die Gesamtheit der Bedingungen: die ständige Kälte, der Wind und die sich ansammelnde Ermüdung.

Den Moschusochsen sucht man im Grunde nicht wirklich. Man begegnet ihm. Und wenn das passiert, merkt man sofort, dass man am richtigen Ort ist.

EINE UMGEBUNG, DIE KEINE PAUSE GÖNNT

Das Dovrefjell ist nicht wegen seiner Höhe extrem, sondern wegen der Bedingungen, denen es einen aussetzt. Der Wind ist das beherrschende Element: konstant, stark und zeitweise nur schwer zu handhaben. An mehreren Tagen waren wir bei Böen von über 100 km/h unterwegs, während vom Boden aufgewirbeltes Eis das Gesicht wie feine Nadeln traf. Selbst völlig eingehüllt drang die Kälte immer noch durch.

Hier geht es nicht nur um niedrige Temperaturen, sondern um eine permanente Exposition. Es gibt keine geschützten Orte und keinen wirklichen Moment der Wetterpause. Selbst anzuhalten erfordert Aufmerksamkeit.

Jede Bewegung wird langsamer: trinken, die Handschuhe richten, die Ausrüstung kontrollieren. Die Hände kühlen in wenigen Minuten aus, und man muss schnell handeln, um das Gefühl in den Fingern nicht zu verlieren.

Es ist eine Umgebung, der man nicht mit Kraft begegnen kann, sondern nur mit Anpassungsfähigkeit. Man hat nichts unter Kontrolle: man lernt vielmehr, sich innerhalb der Bedingungen zu bewegen.

EINE BEGEGNUNG, DIE SICH NICHT PLANEN LÄSST

Eines der wichtigsten Dinge, die man schon vor der Abreise akzeptieren muss, ist, dass diese Begegnung nicht garantiert ist. Hier nach dem Moschusochsen zu suchen, ist kein „Shooting“, sondern eine echte Suche.

Alles hängt von allem ab: vom Wetter, von der Sicht, von den Bewegungen der Tiere, von den Bodenverhältnissen. Man läuft viel, oft ohne etwas zu sehen. Man ändert die Richtung, beobachtet, wartet. Es gibt keine feste Route und kein sicheres Ergebnis.

Es ist eine wenig geradlinige Erfahrung, bei der man der Ungewissheit Raum geben muss. Oft entscheiden die Bedingungen mehr, als wir selbst beeinflussen können.

Und genau das macht diese Erfahrung aus. Mehr noch als die Fotografie ist es all das, was während der Suche geschieht, das dem ganzen Reiseerlebnis seinen eigentlichen Sinn gibt.

FOTOGRAFIEREN UNTER REALEN BEDINGUNGEN

Aus fotografischer Sicht ist Anpassungsfähigkeit der Schlüssel. Im Dovrefjell ändern sich Licht, Wind und Sichtverhältnisse ständig, und Entscheidungen müssen schnell getroffen werden.

Die Ausrüstung ist wichtig, aber sie ist nicht der entscheidende Punkt. Wichtiger ist es, das Motiv zu verstehen, Distanzen richtig einzuschätzen und die Szene lesen zu können.

Es ist nicht immer sinnvoll, nach dem Detail zu suchen. Oft ist es gerade der Kontext, der einem Bild seine Kraft verleiht: der Schnee, die Weite, der Wind. Manchmal funktioniert ein klares, reduziertes Porträt, in anderen Fällen ist es die Umgebung, die die Situation wirklich erzählt.

Der beste Ansatz ist, flexibel zu bleiben und sich nicht zu sehr auf eine starre Vorstellung zu versteifen. Etwas erzwingen zu wollen, führt nur selten zu guten Ergebnissen.

Auch die Belichtung verlangt Aufmerksamkeit. Schnee und diffuses Licht können leicht täuschen, sodass Details verloren gehen oder die Szene flach wirkt. Deshalb ist es entscheidend, die Aufnahme immer wieder zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren, um ein Gleichgewicht zu finden, das das Erlebte authentisch wiedergibt.

DER RICHTIGE MOMENT

Der Winter ist für mich die spannendste Jahreszeit, um diese Erfahrung zu machen. Die Landschaft wird reduzierter, und alles wirkt wesentlicher.

Der Schnee, das flache Licht und die kalte Atmosphäre tragen dazu bei, klare Bilder zu schaffen, die zum Charakter des Moschusochsen passen.

Gleichzeitig sind es genau diese Bedingungen, die alles anspruchsvoller machen. Kälte, Wind und das Fortbewegen in verschneitem Gelände gehören zur Erfahrung dazu und prägen ihre Intensität.

Es geht nicht nur darum, zu beobachten oder zu fotografieren, sondern darum, mit einer Umgebung in Beziehung zu treten, die wenig nachgibt.

Der Moschusochse scheint vollständig zu dieser Landschaft zu gehören. Und jedes Bild vermag zumindest einen Teil jenes Gefühls von Isolation, Stille und innerer Stimmigkeit wiederzugeben, das man dort vor Ort wahrnimmt.