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In der trockensten Wüste der Welt, zum höchsten Gipfel

Manch einer sucht seine Wurzeln an einem Ort. Daniele Matterazzo sucht sie auf Reisen, indem er dorthin geht, wo die Welt zu enden scheint. Atacama, die trockenste Wüste der Erde. Und dann der Ojos del Salado, der höchste Vulkan der Welt, bis auf 6894 Meter Höhe. Das letzte Stück, ein technischer Pass an Fixseilen, bewältigt er mit nur einem Arm. Denn die Grenzen setzt nicht der Körper. Sondern der Kopf.

Text und Bilder von Daniele Matterazzo

UNBEGRENZTE HORIZONTE

Im Norden Chiles, inmitten der riesigen Mineralienwüsten, wo die Welt zu enden scheint, begann mein Abenteuer. Ein Gebiet, das kaum Halt bietet, das keine großen Ablenkungen zulässt und wo alles auf das Wesentliche reduziert ist: Wasser, Atem, Natur, Stille, du.

Atacama ist nicht nur die trockenste Wüste der Erde; sie ist ein Urraum, schwebend zwischen Himmel und Erde, wo das Licht schneidend ist und die Schatten ewig scheinen. Dort erheben sich die Berge wie feste Fata Morganas, und der Wind erzählt Geschichten, die so alt sind wie der Fels. In diesem zerbrechlichen und unerbittlichen Szenario beschloss ich, meinem Abenteuer nachzujagen, wissend, dass es nicht nur eine geografische oder physische Eroberung sein würde, sondern eine neue große innere Reise mit mir selbst. Denn an einem solchen Ort kann man nicht nur hingehen, um einen Gipfel zu erreichen.

ATACAMA

Das Betreten der Wüste bedeutet, eine unsichtbare Schwelle zu überschreiten. Es gibt keinen genauen Moment, in dem man merkt, dass man angekommen ist: Irgendwann hört die Landschaft einfach auf, wie jeder andere Ort auszusehen. Die Vegetation verschwindet, und die Erde verwandelt sich in Staub, Salz und Fels. Alles erscheint nackt, als hätte die Zeit alles bis auf die Knochen geglättet. Es ist eine Geografie der Extreme: unendliche Hochebenen, isolierte Vulkane und Salzlagunen, die plötzlich wie Farbflecken in einer von Ocker und Braun dominierten Welt erscheinen.

Wenn man sich in diesen Weiten bewegt, hat man das Gefühl, dass sich der Raum um einen herum ins Unermessliche ausdehnt und das Auge täuscht. Die Sonne trifft mit einem fast gewalttätigen Licht, verstärkt durch die Höhe und die trockene Luft, und jeder Schluck Wasser wird zu einem kostbaren Gut. Wenn dann die Sonne hinter den Bergen untergeht, verschwindet die Wärme innerhalb weniger Minuten, und die Kälte schleicht sich mit überraschender Geschwindigkeit in die Luft. Auch der Wind scheint eine präzise Rolle in diesem fragilen Gleichgewicht zu spielen: Er weht zwischen den Steinen, wirbelt feinen Sand auf und erinnert ständig daran, wie lebendig dieser Ort trotz der scheinbaren Unbeweglichkeit ist.

DIE VULKANE

Das Gebiet wird von vertikalen Präsenzen dominiert, die den flachen Horizont der Wüste unterbrechen: die Vulkane. Sie erheben sich mit einer fast feierlichen Natürlichkeit aus der mineralischen Weite, als wären sie schon immer da gewesen, um die Stille zu bewahren. Viele übertreffen die 5000 Meter, und einige Gipfel erreichen weit über 6000 Meter, was ein strenges Profil gegen den klaren Himmel zeichnet und die ausgedehnteste Gebirgskette des Planeten darstellt.

FAUNA

Guanakos, Vicuñas und Andenfüchse der Wüste: In ihnen habe ich eine Form stiller Resilienz erkannt, kein zur Schau gestellter Kampf, sondern ein Gleichgewicht, das über die Zeit gewachsen ist. Diese Tiere beherrschen die Landschaft nicht so dominant wie Vulkane und Berge, sondern sind auf tiefgehende und harmonische Weise Teil von ihr. Sie sind ein Zeichen dafür, dass selbst an den extremsten Orten eine Ordnung existiert, ein unsichtbares Gefüge, das Fels, Himmel und Leben miteinander verbindet.

OJOS DEL SALADO

Der Ojos del Salado ist der höchste Vulkan der Erde. Mit zunehmender Höhe wurde die Stille immer intensiver. Es ist nicht nur die Abwesenheit von Geräuschen, sondern eine Präsenz, die alles umhüllt und jeden Herzschlag, jeden Gedanken verstärkt. In dieser Stille nahm die Anstrengung Gestalt an: nicht nur körperlich, sondern vor allem mental. Es gab Momente, in denen sich Zweifel einschlichen, leise, aber beharrlich – und fragten, ob es wirklich möglich sei, weiterzugehen und das Ziel zu erreichen. Doch jedes Mal kam die Antwort im nächsten Schritt. Es war kein Sieg über den Berg, sondern vielmehr ein Dialog mit ihm.

DER GIPFEL – 6894 M

Je näher ich dem Gipfel kam, desto mehr war er nicht nur ein geografischer Punkt, sondern ein Symbol für ein Gleichgewicht zwischen Grenze und Willen, verstärkt durch die Symptome der Höhe. Im letzten Abschnitt, der zum Gipfel führt, gibt es eine ausgesetzte Kletterpassage an Fixseilen, die ich in meinem Fall notgedrungen mit nur einem Arm mithilfe einer Steigklemme (Jumar) bewältigen musste.

Als ich oben ankam, gab es keinen lauten Jubel, wie ich es erwartet hatte. Nur ein weiter, offener Blick auf den unendlichen Horizont der Anden und eine stille Gewissheit: Es war nicht ein Arm, der mich definiert hat, sondern die Fähigkeit, über das hinauszugehen, was von zu Hause aus manchmal unmöglich erscheint. In diesem Moment war der Berg keine Herausforderung mehr, sondern eine gemeinsam erlebte Erfahrung, auch dank der Unterstützung des Bergführers Luca Montanari, der für meine Sicherheit sorgte.

SCHUHE

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