Text und Fotos von Martina Pavoni
Es gibt Wanderwege, die durch bekannte Regionen führen, und andere, die gerade deshalb überraschen, weil sie sich ganz leise entfalten. Der Cammino Tesori del Reno im Bologneser Apennin gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Es ist ein Weg, der seine Schönheit nicht laut zur Schau stellt, sondern sie Schritt für Schritt offenbart – zwischen stillen Wäldern, kleinen Dörfern, aussichtsreichen Höhenzügen und authentischen Begegnungen.
Als AKU Ambassador habe ich gelernt, dass Wandern weit mehr ist als eine sportliche Herausforderung oder das Erreichen eines Ziels. Es ist eine Art, eine Landschaft bewusst zu erleben, ihr zuzuhören und wirklich in sie einzutauchen. Genau das habe ich auf dem Cammino Tesori del Reno gefunden: ein seltenes Gleichgewicht aus Natur, Geschichte, Kultur und regionaler Identität.
Der Rundweg ist etwa 85 bis 95 Kilometer lang und in sechs Etappen unterteilt. Er verbindet Vergato, Grizzana Morandi und Castel d’Aiano im Bologneser Apennin. Mehr als 80 % der Strecke verlaufen auf markierten CAI-Wanderwegen durch eine ursprüngliche Berglandschaft, die vom Massentourismus weitgehend unberührt geblieben ist.
Der Weg kann zu Fuß in sechs Etappen oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Mein Rat ist jedoch eindeutig: Nehmen Sie sich Zeit. Denn hier bekommt Zeit einen anderen Rhythmus.
Der Startpunkt ist Vergato, das von Bologna aus bequem mit dem Zug erreichbar ist. Schon nach den ersten Kilometern zeigt sich der Charakter dieses Weges: hervorragend markierte CAI-Pfade und das Gefühl, durch echte, lebendige Orte zu wandern, in denen die Menschen noch eng mit ihrer Bergwelt verbunden sind.
Besonders beeindruckt hat mich der ständige Wechsel zwischen Natur und Kultur. Innerhalb weniger Stunden führen die Wege durch Kastanienwälder und entlang von Bächen ebenso wie durch mittelalterliche Dörfer, vorbei an alten Kirchen, versteckten Höhlen und Orten, die wie aus einem Märchen wirken.
Plötzlich taucht zwischen den Bäumen die Rocchetta Mattei auf – mit ihrer außergewöhnlichen Architektur, die unterschiedliche Baustile miteinander verbindet und die visionäre Fantasie ihres Erbauers widerspiegelt.
Wer hier unterwegs ist, begegnet auch der Geschichte. Einige Abschnitte führen durch Gebiete entlang der Gotenstellung, deren Landschaften wichtige Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg bewahren. An diesen Orten geht man nicht einfach vorbei, ohne einen Moment innezuhalten.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke des Cammino Tesori del Reno: Er führt nicht einfach von A nach B, sondern lädt immer wieder dazu ein, genauer hinzusehen, zu verstehen und bewusst langsamer zu werden.
Aus wandertechnischer Sicht ist der Weg für die meisten Wandernden mit einer guten Grundkondition gut machbar. Höhenmeter gehören dazu, werden jedoch mit beeindruckenden Ausblicken auf den Apennin und einer außergewöhnlichen landschaftlichen Vielfalt belohnt, sodass jede Etappe ihren ganz eigenen Charakter besitzt.
Es ist einer jener Wege, die selbst erfahrene Fernwandernde immer wieder überraschen.