Um Mitternacht brachen wir auf. Um ein Uhr am zweiten Tag waren wir bereits unterwegs, eingetaucht in eine kalte, klare Nacht – ideal, um schnell voranzukommen. Den ersten Abschnitt der Route, etwa 110 Meter, legten wir ohne Seil zurück, auf gut verfestigtem Schnee und Eis. Die Entscheidung war klar: uns schnell bewegen, um den ausgesetztesten Teil der Rinne hinter uns zu bringen, bevor steigende Temperaturen die Umgebung instabil machen konnten, und so die Exposition gegenüber objektiven Gefahren auf ein Minimum reduzieren.
Die Supercanaleta ist eine offensichtliche Linie, aber alles andere als einfach: stellenweise dünnes Eis, wechselhafter Schnee, der sich mit harten Passagen abwechselt, und eine ständige Beurteilung der Bedingungen. Jeder Schritt verlangte Aufmerksamkeit, jeder Pickelschlag eine Bestätigung. Nach dem zentralen Abschnitt der Canaleta verändert sich das Gelände: Die Neigung bleibt steil, doch nun kommen Mixed-Passagen und Felsabschnitte hinzu, die zum Verlangsamen zwingen.
Ab diesem Punkt beschlossen wir, uns anzuseilen und den oberen Teil methodischer anzugehen. Der Fels des Fitz Roy ist solide, doch die Orientierung ist nie banal: Das System aus Verschneidungen, Rissen und Rampen kann leicht verwirren, besonders in einer so weiten und vertikalen Umgebung. Wir wechselten uns in den Seillängen ab, suchten stets die logischste Linie, sicherten dort, wo es nötig war, und hielten ein konstantes Tempo, ohne Energie zu verschwenden.
Während des Aufstiegs, zwischen einer Seillänge und der nächsten, wechselten wir einfache Worte, leichte Scherze und kleine Ermutigungen. In solchen Momenten wird die Seilschaft zu etwas mehr als zwei Menschen, die durch ein Seil verbunden sind: Sie wird zu vollkommenem Vertrauen, zu einem gegenseitigen Sich-Anvertrauen, das einem das Gefühl gibt, genau dort zu sein, wo man sein soll. Die Müdigkeit machte sich langsam bemerkbar, doch der Kopf blieb klar, nur auf den nächsten Schritt konzentriert.
Am Abend des zweiten Tages, inzwischen stark erschöpft, beschlossen wir, unweit des Gipfels anzuhalten. Hinter einem riesigen Felsblock fanden wir Schutz vor dem patagonischen Wind und konnten ein einfaches, aber regenerierendes Biwak verbringen. Die Höhe, die angesammelte Müdigkeit und das Bewusstsein, dem Ziel so nah zu sein, machten den Schlaf leicht, aber voller Erwartung.